Das Eigene 

Videoinstallation, 07:02 min, 2023



“Zu sehen ist eine Frau, genauer ihr Kopf und ihre Schulterpartie, sich hin- und herbewegend, hin und her wackelnd. Mit den Augen fixiert sie konzentriert, etwas, das wir nicht sehen können. Die Frage, was sie da genau macht, drängt sich auf. Ihre Bewegungen lassen vermuten, dass sie hoch konzentriert das Gleichgewicht hält. Am Ende des Videos erfahren wir, dass es sich um Aufnahmen der Weltrekordhalterin im Einradstillstand handelt, eine Verwandte der Künstlerin. Ein Balanceakt und eine Höchstleistung, an der Franziska Schrödinger Körperlichkeit, Konzentration und Zeitlichkeit interessieren.

Nächtliche Nahaufnahmen im privaten Schlafzimmer. Jede Bewegung löst eine Wildkamera aus. Trotz des großen Bildschirms, oder gerade wegen des großen Bildschirms, wird nur ein Ausschnitt vor Augen geführt. Schnell getaktete Bildfolgen zeigen Variationen an Bettdeckenformationen und Körperhaltungen. Die Wildkamera wählt die Künstlerin bewusst, um das Animalische, die Körperlichkeit der Situation zu betonen.

Die Aufnahmen der beiden Protagonistinnen wechseln sich ab und ergänzen sich. Das andauernde ruhige Balancieren der Sportlerin in Echtzeit wird abgelöst von schnell wechselnden nächtlichen Aufnahmen. Abläufe wiederholen sich, verändern sich, überlagern sich, verdichten sich zu einer eindringlichen Befragung von Körperlichkeit. Franziska Schrödinger vergleicht, wie sie selbst sagt, die „ individuelle körperliche Höchstleistung und zeitliche Hingabe“ der Leistungssportlerin und die „kollektive Erfahrung und die körperliche und zeitliche Hingabe von Müttern“.”


- aus der Rede zur Vernissage am 30.11.23 von Kuratorin Christina Kirchinger